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"Weisse Taube" – Ein neues Bier für Bamberg

Christian Klemenz (links) und Georg Rittmayer am Standort des Widerstandsdenkmals im Bamberger Harmoniegarten, initiiert von der Willy Aron Gesellschaft, deren Stolpersteinprojekt mit dem Biererlös unterstützt werden soll.Christian Klemenz (links) und Georg Rittmayer am Standort des Widerstandsdenkmals im Bamberger Harmoniegarten.

Ein Braumeister aus Hallerndorf und der Gründer der Bamberger Bierothek verhelfen einer alten Biermarke wieder zu altem Glanz. Das Weißbier “Weisse Taube” ist nach vielen Jahrzehnten wieder auf dem Markt. Der erste Anstich erfolgte am 25. November in Bamberg.

Um 1818 war die Brauerei “Zur weißen Taube” die größte Brauerei der Domstadt. Mit 1.379 Eimern Vollbier und 689 Eimern Nachbier (entspricht zusammen knapp 1.400 Hektolitern Jahresproduktion) stand Georg Rittmayer an der Spitze der Bamberger Brauer, gefolgt von den Brauereien “Zum Mondschein”,  “Zum Storchenpeter” und “Zum Specht”. Alle vier Unternehmen haben gemeinsam, dass sie heute nicht mehr existieren. Doch als Georg Rittmayer aus Hallerndorf vor kurzem davon erfuhr, dass sein Namensvetter vor 200 Jahren Marktführer in der Domstadt war, recherchierte der Braumeister in seiner Ahnengalerie. Dabei kam heraus, dass der damalige Bamberger Brauer ursprünglich aus der Forchheimer Gegend stammte und es damit wohl vor vielen Jahrhunderten gemeinsame Wurzeln für die historische Rittmayer-Brauerei in der Weltkulturerbestadt und Rittmayers heutige Brauerei in Hallerndorf gab. Auf seinem Dachboden fand er sogar einen Krug aus der alten Bamberger Brauerei mit der Namensinschrift “Georg Rittmayer”. Grund genug für ihn, das historische Weißbier der Brauerei “Zur Weißen Taube” wiederzubeleben. In Christian Klemenz von der Bierothek fand Rittmayer einen Partner in der Domstadt und so kreierten sie gemeinsam das neue alte Weißbier “Weisse Taube”, das ab sofort wieder in Bamberg erhältlich ist.

Das neue alte Weißbier “Weisse Taube” ist gebraut nach der historischen Rezeptur und den alten Produktionsmethoden.

Eng verbunden mit der Geschichte der Brauerei “Zur Weissen Taube”, die 1917 ihre Pforten schließen musste, ist auch das Schicksal der Bamberger Juden und anderer Verfolgter des Nazi-Regimes. Denn die alte Brauerei mit ihrem riesigen Biergarten, wo heute die Bamberger Theatergassen stehen, diente der jüdischen Gemeinde als Versammlungsort und Gemeindeverwaltung. Sogar die jüdische Volksschule war in den Räumlichkeiten untergebracht. Nach 1933 und vor allem der Reichspogromnacht, in der auch die Bamberger Synagoge brannte, wurden die jüdischen Familien zwangsweise in dem ehemaligen Gasthof einquartiert. Es fungierte als letztes “Judenhaus” in Bamberg, bevor die judischen Mitbürger vollständig in die Vernichtungslager deportiert wurden. Georg Rittmayer und Christian Klemenz ist die historische Verantwortung bewusst, die mit dem Namen ihres reanimierten Bieres verbunden ist. Deswegen werden sie einen Teil des Verkaufserlöses spenden, um einerseits Projekte der Bamberger jüdischen Kultusgemeinde zu fördern und andererseits die Verlegung weiterer Stolpersteine in Bamberg und Hallerndorf durch die Willy Aron Gesellschaft zu unterstützen.

Ihr Weißbier “Weisse Taube” präsentierten Klemenz und Rittmayer am Samstag, den 25. November, in der Bamberger Bierothek. Etwa 30 spontane und geladene Gäste durften als erste das neue Weizen kosten und waren begeistert. Denn es folgt genau der historischen Beschreibung: Mild, weich, rund und dank reichhaltiger Kohlensäure auch besonders bekömmlich. Das Geheimnis hinter dem Rezept ist laut Rittmayer die spezielle Malzmischung zusammen mit der eigenwilligen Gärführung, die an die historische Herstellungsweise angelehnt ist. Die “Weisse Taube” gibt es ab sofort in der Bamberger Bierothek und bei der Brauerei Rittmayer in Hallerndorf.

Auch Biersommelier Markus Raupach war zum Anstich geladen und freute sich über ein weiteres Bamberger Bier.Auch Biersommelier Markus Raupach (ganz rechts) war zum Anstich geladen und freute sich über ein weiteres Bamberger Bier.

Text und Bilder: Markus Raupach

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