Werner Schuegraf ist ein Problemlöser. Der gelernte und studierte Brauer hegt eine Faszination für die Technik und Feinheiten des Brauprozesses. Mit großer Freude stürzt er sich in die kniffligsten Fragen rund ums Bier und findet Antworten, die gewohnte Pfade verlassen und Horizonte sprengen. Als der Experte im Zuge des Münchner Braukunst-Festivals auf einen anderen Experten trifft, kommt der Stein ins Rollen. Doch eins nach dem anderen.
Werner schreibt seine Diplomarbeit in einer Zeit, in der Bier nach langer Durststrenge endlich wieder öffentliche Aufmerksamkeit fand. Nachdem der Gerstensaft dank massenhaft produzierter Einheitssude lange keinen allzu guten Ruf hatte, erlebten kleine, unabhängige Brauereien eine Renaissance. Neue Brauereien schossen wie Pilze aus dem Boden und alteingesessene Brauhäuser locken endlich wieder Menschen an. Das Handwerk rückt in den Fokus und die Genussgemeinschaft entdeckt seinen Wert in der Bierbranche. Industriebiere verlieren an Bedeutung und raffinierte, authentische und geschmacksintensive Braustücke nehmen ihren Platz an der Spitze ein. Werner fasst Fuß in dieser aufblühenden Szene und installiert Brausysteme auf der ganzen Welt. Er begleitet junge Brauereien und lernt eine Bierszene kennen, die ohne die Grenzen des Bayerischen Reinheitsgebotes unvergleichlich wild und frei ist. Der findige Brauer spürt das Wachstumspotenzial dieser kreativen Herangehensweise und lässt sich von der Begeisterung und der Experimentierfreude anstecken. Eine Idee entsteht: Warum nicht die traditionelle Handwerkskunst seiner Heimat mit der Kreativität und Ungebundenheit seiner amerikanischen Kolleg:innen verbinden?
Im Jahr 2013 folgt der Impuls, die Luftschlösser in die Tat umzusetzen. Werner trifft auf dem renommierten Braukunst-Festival in München auf einen leidenschaftlichen Homebrewer, der gerade auf dem Weg in die Professionalität war: Nach einem Gastspiel in einer deutschen Brauerei fasste Matt den Plan, seinen Meister zu machen. Matt und Werner verstanden sich auf Anhieb gut und tauchten direkt tief ein in hitzige Diskussionen und Erörterungen rund um die Feinheiten des Bierbrauens. Sie teilen die Begeisterung für die Lösung kniffliger Probleme und vereinen das Beste aus beiden Welten: eine jahrtausendealte Brautradition und die wilde Freiheit amerikanischen Craftbiers. Gemeinsam legen sie den Grundstein für die Hopfenhäcker und brauen die ersten Sude in der Garage. 2016 folgt dann endlich die eigene Brauerei in der Münchner Weißenburgstraße und seither geht es steil bergauf. Die mit viel Liebe zum Detail kreierten Rezepturen finden Anklang bei den Biergenießer:innen und auch nach dem Umzug in die Forschungsbrauerei München-Perlach reißt der Andrang auf die geschickten Kombinationen aus deutscher Bodenständigkeit und amerikanischer Freiheit nicht ab. Eine echte Erfolgsgeschichte!